"Tango ist eine Diva, die manchmal weint."
Aus dem Bauch des Tangos

Tango Argentino

Der Tango Argentino ist meine ganz persönliche Leidenschaft und zugleich Stadtkultur in ihrer reinsten und sinnlichsten Form.

Entstanden vor über 100 Jahren als urbanes Lebenselixier für die metropolitanen Einwanderer von Buenos Aires war er dort in seinem sozialen Kern nichts anderes als die Produktion von situativer Heimat durch die tänzerische Umarmung eines Fremden.

Daraus ist bis heute eine weltweite Tango-Community geworden, der ich mich vor 20 Jahren angeschlossen habe. Das kostete zwar einige Mühe, da dieser Tanz nicht einfach zu erlernen ist, aber sie war die beste Investition die ich je in meinen Körper gemacht habe.

Dabei ist es nicht nur die Umarmung, die der Tango Argentino auch dem bietet, der (gerade) nicht in einer festen Beziehung lebt. Das situative und freiwillige Paar-Sein eröffnet, wenn man ihn technisch beherrscht, vielmehr die äußerst kreative Möglichkeit sich gemeinsam in ständig neuer Improvisation tänzerisch zu entfalten.

Gelingt dies, ist es die Vollendung zwischenmenschlicher Begegnung, der perfekte wortlose Dialog zweier Körper in Harmonie zu einer Musik. Genauso wichtig ist mir jedoch, dass dieser Tanz meine drei Lebensorte in ganz besonderer Weise verbindet. Gibt es doch, wenn auch unterschiedlich groß und stadtkulturell unterschiedlich gefärbt, sowohl im Ruhrgebiet als auch in Berlin und in New York City eine entsprechend bunte, tolerante und friedfertig Tangogemeinde.



 

Dieses Buch schaut in Bild und Wort hinter die Kulissen und Posen des Tango Argentino und beschreibt, was zwischen den Menschen passiert, die ihn jenseits von Show und Glamour zum ganz persönlichen Ausdruck ihrer alltäglichen Sinnlichkeit gemacht haben.

Zugleich ist es der Reisebericht eines Mannes, der auszog, diesen Tanz zu erlernen und dabei auf sich selbst und auf sein zwiespältiges Verhältnis zum anderen Geschlecht stieß.

Das Ergebnis ist eine aktuelle, subjektive aber auch schonungslose Hommage an diese über 100 Jahre alte Form zwischenmenschlicher Annäherung und die Leute, die sich ihr heute wieder verschrieben haben.